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Historische Entwicklung der Genealogie PDF Drucken E-Mail

Auch heute noch werden Königreiche vererbt, Klassen-, Stände- und Kastengrenzen manifestiert und vakante Positionen innerhalb der Familie weitergegeben - und meist wird Selbstverständnis, mit der dies geschieht, aus der genealogischen Abstammung hergeleitet.

Die Genealogie oder Ahnenforschung ist aber nicht nur für die Herrscher von Bedeutung, sondern entwickelt sich für viele Menschen zur alltäglichen Freizeitbeschäftigung.

Ursprünge der Ahnenforschung

Ahnenforschung ist so alt wie die Menschheit: Die alten Ägypter legitimierten so ihren Herrschaftsanspruch (Quelle: tscherno)Stammbäume und Ahnenlisten gehören in nahezu allen Kulturen weltweit zu den ersten Formen der Geschichtsschreibung.

Die alten Ägypter versuchten ebenso wie die Maya die Macht ihrer Herrscher mit der Abstammung von mächtigen Königen, Feldherren oder Göttern zu legitimieren. Entsprechend wurde nicht auf eine objektiv richtige Darstellung wie in der modernen Wissenschaft geachtet, sondern auf das Erreichen bestimmter Ziele, denen dann auch die historische Wahrheit untergeordnet wurde.

Ein bekanntes Beispiel dafür sind beispielsweise auch die “Stammbäume Jesu” in den Evangelien des Lukas und des Matthäus, die jeweils völlig andere Ahnenfolgen konstruieren, um Jesus als Nachfahre Abrahams bzw. Adams darzustellen.

Ahnenforschung im Mittelalter

Faksimilé: Abriss der Genealogie (Quelle: www.von-stackenberg.deBis ins 19. Jahrhundert hinein war Ahnenforschung jedoch auf Adelsgeschlechter und reiche Bürgerfamilien begrenzt.

Im Mittelalter war die Herkunft des Namens zur Erlangung von Macht und Ämtern überaus wichtig: Wollte man sich um ein Amt bewerben oder nur an einem Turnier teilnehmen, musste eine Ahnenprobe als Nachweis adeliger Abstammung vorgelegt werden.
Die Ahnenforschung stand ganz im Dienst einer streng nach sozialen Gruppen gegliederten Gesellschaft.

Ab dem 17. Jahrhundert, mit steigendem Reichtum und Einfluss des Bürgertums, begann sich die Ahnenforschung einer breiteren Bevölkerungsschicht zu widmen. Zudem wurde sie zunemend nach wissenschaftlichen Kriterien betrieben und Genealogie wurde zum Unterrichtsfach an Universitäten. 1788 erschien mit dem “Abriss der Genealogie” des Göttinger Historikers Johann Christoph Gatterer die erste systematische Darstellung der Genealogie.

Missbrauch der Ahnenforschung während der NS-Zeit

Um das Jahr 1900 begann die Ahnenforschung an Breite und Tiefe zu gewinnen. 1869 war in Berlin der Verein “Der Herold” gegründet worden, 1870 in Wien “Der Adler”, die ersten genealogischen Vereine im deutschsprachigen Raum. In Leipzig wurde 1904 die Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte gegründet - immer mehr Menschen widmeten sich der Ahnenforschung.

Der Begründer der modernen Genealogie: Kekulé von Stradonitz entwickelt im 19. Jh. das bis heute gültige Nummerierungssystem für die Ahnenforschung (Quelle: wikipediaIn dieser Phase zeichnete sich aber auch eine Spaltung der Genealogie in zwei Lager ab. Um den Genealogen Stephan Kekulé von Stradonitz, auf den das heute meistgenutzte System zur Nummerierung von Ahnenreihen zurückgeht, bildete sich eine soziologisch und historisch orientierte Genealogie, bei der Familienkunde und die praktischen Probleme der Forschung im Vordergrund standen.

Der Historiker Ottokar Lorenz dagegen trat für eine naturwissenschaftlich ausgerichtete, an der Vererbungslehre orientierte Genealogie ein. Auf dieser Richtung basierte auch das genealogische Denken der nationalsozialistischen Rassen-Ideologie, welche die Ahnenforschung wie schon im Mittelalter zur Abgrenzung und Ausgrenzung gesellschaftlicher Gruppen nutzte.

Das 1934 eingerichtete Amt für Sippenforschung der NSDAP, später in Reichssippenamt umbenannt, war für die Gleichschaltung und ideologisch korrekte Ausrichtung aller familienkundlichen Aktivitäten zuständig. Genealogie und Ahnenforschung wurden immer mehr als eine Erscheinung des Dritten Reiches angesehen, was nach Kriegsende dazu führte, dass der Familienforschung in Deutschland mit großer Skepsis begegnet wurde.

Neue Perspektiven durch Computer-Nutzung

Nach 1945 gingen denn auch neue Anstöße in der Genealogie von Frankreich, den Niederlanden, Schweden, Großbritannien und den USA aus, wo sich die Familiengeschichtsforschung zu einem weit verbreiteten Hobby entwickelte.

Die erste Forschungsstelle, die einen Computer in der Genealogie einsetzte: Genealogical Society of Utah (Quelle: www.gensocietyofutah.orgEinen Meilenstein setzte die Genealogische Gesellschaft von Utah mit der ersten Anwendung des Computers in der Genealogie und übernahm damit auch international eine Führungsrolle. Die Genealogen in Deutschland und Österreich begannen dagegen um 1950, alte Vereine, Verlage und Zeitschriften von vor 1933 wieder- oder neu zugründen.

Durch die stark gestiegene Verbreitung des Internets ab 1994 hat auch die Genealogie einen enormen Aufschwung genommen. Weltweit können nun schnell und einfach Kontakte zwischen Forschern geknüpft werden und viele genealogische Datenbanken mit Millionen von Ahnentafeln sind im Internet für Recherchen zugänglich.

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