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Familiengeschichtliche Forschung im Kanton Schwyz

Mit Hilfe von Zivilstandsregistern und Pfarreibüchern kann die eigene Familie im Kanton Schwyz bis anfangs 19. Jahrhundert relativ leicht erforscht werden. Etwas grösser ist der Aufwand bei Forschungen bis zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Vor 1600 gelingt es nur in seltenen Fällen, eine gesicherte Stammfolge nachzuweisen.

Was die Familienforschung aber erst richtig interessant macht, sind Angaben zu den Lebensumständen unserer Ahnen, wie Beruf, politische Ämter, militärische Karriere, Wohnort, Vermögensverhältnisse usw. Die Quellenlage unterscheidet sich je nach Ort und Zeit sehr stark.

Quellenmaterial des inneren Kantonsteils, dem so genannten „Alten Land Schwyz“ sind hauptsächlich im Staatsarchiv Schwyz aufbewahrt, während Quellen der Bezirke Küssnacht, Gersau, Einsiedeln, March und Höfe in den entsprechenden Bezirksarchiven zu finden sind. Nachfolgend finden Sie eine Auswahl der wichtigsten Quellen im Kanton Schwyz, welche helfen, die eigene Familienforschung zu vertiefen.

 

I. Quellen des 19. und 20. Jahrhunderts

II: Quellen des 17. - 20. Jahrhunderts

III: Quellen des 13. - 16. Jahrhunderts

IV: Lokalhistorische und Genealogische Werke des Kantons Schwyz

 

Quellen des 19. und 20. Jahrhunderts

Amtliche Register
Ab 1842 wurden im Kanton Schwyz, zusätzlich zu den bisherigen Kirchenbüchern, amtliche Register zur Erfassung der Zivilstandsdaten eingeführt. Diese erleichtern die Familienforschung enorm, da im Gegensatz zu vielen Kirchenbüchern zusätzliche Angaben zu den Eltern, Heimatort und Wohnort eingetragen wurden.

Zivilstandsregister

1876 wurde das Zivilstandswesen gesamtschweizerisch einheitlich geregelt und auch im Kanton Schwyz das Zivilstandsregister eingeführt. Die Zivilstandsdaten werden seit diesem Zeitpunkt zwar am Wohnort erfasst, aber immer auch am Bürgerort registriert. Dank der zentralen Verwaltung der Zivilstandsdaten sind die eigenen Familiendaten am jeweiligen Bürgerort gut zugänglich. Allerdings unterliegen sie dem Datenschutz. Für Nachforschungen ist der Nachweis eines begründeten Interesses Voraussetzung, um eine kantonale Bewilligung zur Einsichtnahme in der zivilstandsamtlichen Registern zu erhalten. Das Zivilstandsamt erhebt Gebühren für die Auszüge aus den entsprechenden Registern.


Quellen des 17. – 20. Jahrhunderts

Pfarrbücher
1563 hat die Römisch-katholische Kirche am Konzil von Trient die Einführung von Ehe- und Taufbüchern beschlossen. In den Pfarreien des Kantons Schwyz wurde dieser Erlass mit Ausnahme des Taufbuches der Pfarrei Schwyz (Beginn 1584) erst in der ersten Hälfte 17. Jahrhundert umgesetzt. Dank diesen Kirchenbüchern ist es überhaupt erst möglich Familienforschung zu betreiben. Im Gegensatz zu den reformierten Kirchenbüchern sind weiterführende Angaben wie Beruf, Wohnort, Alter usw. eher selten. Häufige Namensgleichheiten, wie z. B. die Vornamen Maria und Anna und uneinheitliche Einschreibung der Vornamen erschweren oder verunmöglichen in vielen Fällen eine Zuordnung. Zur sicheren Identifizierung sind in solchen Fällen weitere Quellen einzusehen.

Stammbücher, Geschlechterverzeichnisse, Register
Einzelne Pfarrer führten Stammbücher oder Geschlechterverzeichnisse und erstellten teilweise rückwirkend Stammtafeln für die ganze Pfarrei. Nicht immer wurden diese jedoch vom jeweiligen Nachfolger fortgesetzt. Andere erstellten dafür in mühsamer Arbeit Namensregister.

Verkündbücher
In den Verkündbüchern wurden seit dem 17. Jahrhundert Eheverkündigungen, Beerdigungen, Gedächtnisse, Jahrzeiten usw. eingeschrieben. Vielfach sind dort weitere Angaben zu den Verstorbenen vermerkt. Es bedingt jedoch die Kenntnis des Todesdatums, da sonst die gesuchten Personen nur schwer zu finden sind. Die Verkündbücher sind teilweise im Staatsarchiv Schwyz auf Mikrofilm, andere werden in den Pfarrarchiven aufbewahrt.

Landleute- und Beisassenrodel
Im Landleute-Rodel sind alle über 16-jährigen wehrpflichtigen Landleute aufgeführt. Diese Rodel sind deshalb so wertvoll, weil daraus die familieninternen Verbindungen von bis zu 4 Generationen abzulesen sind. In Schwyz sind vier Landleute-Rodel aus den Jahren 1761/1765, 1777/1779, 1791 und 1797 erhalten geblieben. Jedoch wurden darin nur die Landleute des Alten Landes Schwyz verzeichnet, d.h. keine Beisassen und keine Personen aus den angehörigen Landschaften. Für die Beisassen wurden in den Jahren 1628 und 1671 eigene Beisassenrodel angelegt.
All diese Rodel werden im Staatsarchiv Schwyz unter der Signatur 1985-2005, Film 88/89 aufbewahrt.

Gülten, Kapitalbriefe
Ebenfalls wissenswerte Daten können Gülten und Kapitalbriefe liefern. Durch Grundbuchbereinigungen wurden die alten Kapitalbriefe und Gülten gelöscht und dem Staatsarchiv übergeben. Viele alte Gülten und Kapitalbriefe befinden sich noch immer im Privatbesitz oder wurden sogar an Händler verkauft und sind somit für die Geschichts- und Familienforschung nicht einsehbar. Neben genauen Angaben über den Grundbesitz, enthalten diese auch Abstammungsnachweise. Manches knifflige genealogische Problem wird durch solches Quellenmaterial gelöst.

Gerichtsprotokolle
Für tiefgründigere Forschungen sind die Gerichtsprotokolle von Interesse. Die Gerichtsprotokolle des Bezirks Schwyz (Altes Land Schwyz) bestehen ab 1609 und werden im Staatsarchiv Schwyz aufbewahrt. Die Protokolle der anderen Bezirke bestehen in der March ab 1686, in Einsiedeln ab 1657 und in den Höfen ab 1714 und sind in den jeweiligen Bezirksarchiven hinterlegt. Die Einsicht von Gerichtsprotokollen ab 1848 erfordert eine kantonale Bewilligung.

Volkszählung
Im Kanton Schwyz wurden die ersten Volkszählungen 1833 durchgeführt, diese Listen sind nicht vollständig im Staatsarchiv erhalten. Für 1848 und 1870 gibt es ein Aktivbürgerverzeichnis (allerdings ohne Frauen und Kinder). Die ersten, für die Familienforschung brauchbaren Volkszählungen sind diejenigen von 1850 und 1860 (Theken 33-41). Spätere Volkszählungen sind in den einzelnen Gemeindearchiven aufbewahrt.

Pass- und Heimatscheinverzeichnisse
Aus Büchern der Pass- und Heimatscheinkontrolle kann man folgende Daten entnehmen: Ausstelldatum, Name, Eltern, Alter, Gemeinde, Zivilstand, Bemerkungen, später auch Beruf, Geburts- und Wohnort, Reisebestimmung und Reisedauer. Die Heimatscheinverzeichnisse und Kontrollen sind im Staatsarchiv Schwyz oder in den entsprechenden Bezirksarchiven ab dem Jahre 1810 hinterlegt.

Steuerbücher
Die Steuerbücher setzen im Kanton Schwyz mit der Gründung des Schweizerischen Bundesstaates 1848 ein. Daraus sind eine Vielzahl an Informationen zu entnehmen: Hausnummer, Geschlecht, Vornamen, Wohnort, Beruf, Grundeigentum/Kapitalvermögen, Daten über den Steuereinzug usw.
Steuerregister Kanton Schwyz 1848-1926 (STASZ, Sig. 20564-20594)

Militärverzeichnisse, Stammkontrolllisten

Für jede Schwyzer Gemeinde wurden Stammkontrolllisten geführt. Diese verzeichnen die Militärdienstpflichtigen pro Gemeinde ab Jahrgang 1832 lückenlos bis Jahrgang 1930 (STASZ, Sig. 20216-20265). Sie enthalten folgende Angaben: Nummer der Stammkontrolle, Familienname, Vorname, Vorname des Vaters, Beruf oder Beiname, Bürgerort und Bürgergemeinde/Kanton, Wohnort, Geburtsjahr, militärische Informationen und Bemerkungen. Vereinzelt existieren noch ältere Militärverzeichnisse, z. B. Bezirk Schwyz für den Zeitraum 1816-1855 (STASZ, Sig. 20199-20212), Bezirk March 1788-1833.


Quellen des 13. – 16. Jahrhunderts

Jahrzeitbücher
Die „Armen Seelen“ spielten im religiösen Leben der Menschen eine grosse Rolle. Durch Stiftungen zugunsten der Kirche wurde das Seelenheil für sich und die Verwandten erkauft. Die Namen der Stifter und seiner Nachkommen wurden in das Jahrzeitbuch eingetragen und jedes Jahr an einem bestimmten Tag während der Toten- oder Seelmesse verlesen. Jahrzeitbücher gelten als Vorläufer der Kirchenbücher. Selten ist es möglich, daraus eine gesicherte Ahnenfolge abzuleiten. Nichts desto trotz enthalten die Jahrzeitbücher für die Familiengeschichte dienliche Informationen. Interessant sind auch die verschiedenen Schlachtjahrzeiten mit den beigefügten Gefallenenlisten. Im Kanton Schwyz reichen die ältesten Jahrzeiten bis ins 13. Jahrhundert zurück. Die Jahrzeitbücher von Schwyz und Lachen liegen sogar in gedruckter Form vor.
Das Jahrzeitbuch der Pfarrkirche St. Martin in Schwyz. Schwyz 1999, Franz Auf der Maur.
Das Jahrzeitbuch Lachen. Schwyz 2001, Franz Auf der Maur.
Das Jahrzeitbuch der Pfarrkirche Ufenau (vor 1415) und das Jahrzeitbuch der Pfarrkirche Freienbach (1435), Albert Hug.

Urkunden

Zu den wichtigsten Quellen in Zeit vor 1600 gehören die Urkunden. Der Kanton Schwyz ist im Besitz der berühmtesten Urkunde der Schweiz – dem Bundesbrief von 1291. Daneben gibt es im Staatsarchiv Schwyz eine grosse Urkundensammlung. Im Internet ist ein Verzeichnis dieser Urkunden mit Inhaltsangaben und Jahreszahlen abrufbar: http://staweb.sz.ch
Auch in den jeweiligen Bezirksarchiven werden Urkunden aufbewahrt.
In solchen Urkunden sind in der Regel Angaben über Amtspersonen oder Grundeigentümer aufgeführt. Informationen über das „normale Fussvolk“ sind zu dieser Zeit sehr selten.

Klosterarchiv Einsiedeln
Die ältesten, schriftlichen Quellen des Kantons Schwyz werden im Klosterarchiv Einsiedeln aufbewahrt. Die Findemittel zu den Archivbeständen sind im Internet einsehbar unter www.klosterarchiv.ch.
Neben jenen über den Kanton Schwyz sind dort auch schriftliche Quellen über die zahlreichen ausserkantonalen Besitztümer des Klosters zu finden.


Lokalhistorische und Genealogische Werke des Kantons Schwyz

Joseph Thomas Fassbind
Der Schwyzer Pfarrer und bischöfliche Kommissar Joseph Thomas Fassbind (1755-1824) verfasste als sein Lebenswerk die „vaterländische Profangeschichte“. Dieses wertvolle, lokalhistorische Werk, beschreibt die Geschichte des „Alten Landes Schwyz“ von den Römern bis Anfang des 19.Jahrhundert. Besonders intererssant sind die zeitgenössischen Berichte vor und während der „Franzosenzeit“, welche er selber miterlebt hat. 2005 ist die vaterländische Geschichte unter dem Titel „Schwyzer Geschichte“ erschienen, bearbeitet und kommentiert von Angela Dettling (ISBN 3-340-0699-3). Es enthält neben vielen illustrierenden Zeichnungen ein umfangreiches Personen- und Ortsregister.

Felix Donat Kyd
Der Posthalter, Pulvermacher, Strumpfweber und Privatschullehrer Felix Donat Kyd (1793-1869) von Brunnen beschäftigte sich zeitlebens mit lokaler Geschichte und sammelte eifrig alte Dokumente, Bücher, Sagen usw. Kyd verfasste eine grosse Anzahl an Stammbäumen und Stammtafeln und war Ansprechsperson für verschiedene Sammelwerke wie z.B. das „Schweizerische Idiotikon“.
1867 verkaufte der fast erblindete Kyd seine Sammlung von Bildern und Aufzeichnungen dem Kanton Schwyz, welche heute im Staatsarchiv Schwyz aufbewahrt wird.

Johann Jakob Hunger

Johann Jakob Hunger (1821-1901) gilt als erster Familienforscher in der March. Als Sohn des Bezirksläufers Hunger war auch er lebenslang in amtlicher Tätigkeit. Für verschiedene Märchler Geschlechter hat er die bekannten und schön gestalteten „Hunger-Stammbäume“ erstellt. Er ist der Verfasser von Familienregistern, welche er auf Grund der Einführung der Zivilstandsregister für die verschiedenen Märchler Gemeinden aus den bestehenden Pfarrbüchern erstellt hat.
Weitere Informationen dazu sind beim Verein für Familien- und Personenforschung in der March erhältlich. www.verein-fpf.ch.

Maurus Waser
Maurus Waser (1849-1911) war Professor und Präfekt am Kollegium Maria Hilf in Schwyz und ab 1902 Pfarrer von Schwyz. Er erstellte neben dem Buch „Schwyz vor 100 Jahren“ (welches sämtliche Einwohner der Pfarrei von 1804 und 1904 verzeichnet) verschiedene Stammblätter von Schwyzer Geschlechtern. Diese sind im Staatsarchiv Schwyz einsehbar.

Martin Styger
Kantonsschreiber Martin Styger (1856-1936) war der Verfasser des Wappenbuchs des Kantons Schwyz welches in seinem Todesjahr 1936 erschienen ist. Er hat die Wappen von 569 Geschlechtern (wovon 152 erloschen sind) zusammengetragen. Hauptquelle waren die Siegel von Urkunden, Gülten, Kapitalbriefen, Urbaren, besonders aus den Laden der Genossenschaften. Aber auch Kirchenfenster, Wandmalereien, Trinkgefässe, Bruderschaftsschilde usw. dienten als Vorlagen. Neben den Wappen sind darin sämtliche Alteingebürgerten Familien des Kantons Schwyz biographisch beschrieben. Das Schwyzer Wappenbuch ist vergriffen, jedoch in grösseren Bibliotheken  zu finden.

Alois Dettling
Als Schwyzer Staatsarchivar hat Alois Dettling (1865-1934) viele historische Schriften verfasst. Das bekannteste und für die Familienforschung interessanteste Werk ist der „Schwyzerische Geschichtskalender“. Die chronologischen Artikel, welche in den Jahren 1899-1934 regelmässig im „Boten der Urschweiz“ abgedruckt wurden, sind als gesammeltes Werk und mit Register versehen im Staatsarchiv Schweiz einzusehen.

Alois Gwerder
Der Kaplan und Lokalhistoriker Alois Gwerder ist der Verfasser der Liegenschaftsgeschichte Muotathal-Illgau in 5 Bänden. Neben der eigentlichen Liegenschaftsgeschichte sind darin viele genealogische Angaben über die Besitzerfamilien aufgeführt. Das neueste Werk von Alois Gwerder ist das Mundartwörterbuch „flätt, hüntsch, sauft“.



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