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 Betreff des Beitrags: Nachnamen mit der Endung "i"
BeitragVerfasst: 24.01.2010, 06:50 
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Registriert: 22.02.2009, 07:39
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Mein Geburtsname Rudolph (aus der Uckermark in Brandenburg) lautete bis 1845 Rudolfi. Nach diesem Jahr wurde in Kirchenbüchern das i gestrichen, später wurde dann Rudolph mit "ph" daraus. Diese Vorgehensweise ist mir auch beim Namen Caspar - Caspari aufgefallen. Weiß jemand etwas zu diesen Vorgängen? Eine Erklärung dazu würde mich schon sehr interessieren und außerdem meine Familienchronik bereichern. Danke


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 Betreff des Beitrags: Re: Nachnamen mit der Endung "i"
BeitragVerfasst: 14.08.2011, 10:57 
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Beiträge: 559
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Nachnamen mit der Endung "i" dienten der Verkleinerung, sie sollten dem Namen einen besonders herzlichen Klang geben. Solche
Anhängsel (sogen. Suffixe) sind vor allem i, n, z, l, k u.a. Von diesen Anhängseln ist i oberdeutsch, vor allem schweizerisch. Allein
für sich ist i außerhalb der Schweiz selten.
Häufig handelt es sich aber auch um die lateinische Genetivendung i, die von dem Kurzformanhängsel i zu unterscheiden ist. Diese latinisierten
Namen werden meist auf der vorletzten Silbe betont.
Warum in diesem Falle eine Namensänderung erfolgte vermag ich nicht nachvollziehen. Vielleicht wurde die Namensänderung von
einem Familienoberhaupt standesamtlich beantragt oder von einem Pfarrer im Kirchenbuch vershentlich geändert, welches ja kein
Einzelfall wäre.

Magistri

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Zuletzt geändert von Magistri am 14.08.2011, 13:52, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Eine Erklärung dazu würde mich schon sehr interessieren
BeitragVerfasst: 14.08.2011, 11:34 
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Registriert: 01.11.2009, 09:18
Beiträge: 891
Wohnort: an der Spree
Hi,

sind diese Namensänderungen parallel zu regionalen Änderungen erfolgt?

Viele Grüße

* felizitas *

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 Betreff des Beitrags: Re: Nachnamen mit der Endung "i"
BeitragVerfasst: 14.08.2011, 14:08 
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Registriert: 16.04.2008, 18:02
Beiträge: 559
Wohnort: Wedemark Region Hannover
Felizitas,
wie alles Sprachgut dem Wandel unterworfen ist, so änderten auch die Namen ihre Form. Heutzutage sind sie freilich von der Behörde genau festgelegt, ja selbst die Schreibweise. M eine Vorfahren schrieben ihren FN im 17. Jh. ebensowohl mit, d, t oder dt. Bei Konsonanten und Vokalen verhielt es sich wohl ebenso. Ich habe mich jedoch zu wenig mit den deutschen Familiennamen beschäftigt um sagen zu können
wann seine Schreibweise sich änderte bzw. gar seine Deutung.

Magistri

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 Betreff des Beitrags: Re: Nachnamen mit der Endung "i"
BeitragVerfasst: 14.08.2011, 16:15 
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Beiträge: 2133
Wohnort: Freigericht
Ein Hinweis: Bei meinen Vorfahren wurde in meiner Heimatgemeinde (der rein männlichen Linie) über mehrere Generationen der Vorname "Heinrich" konsequent als Henrich in die Kirchenbücher geschrieben, später ist dann wieder Heinrich gebräuchlich. Da kann man nun folgende Möglichkeiten annehmen:
-Ein Pfarrer hat sich verschrieben und seine Nachfolger haben erst einmal falsch abgeschrieben - das halte ich aber für unwahrscheinlich.
-Der erste Henrich-Pfarrer hat die ortsübliche Dialektform festgehalten, mit Henner als Kurzform. Das ist wahrscheinlicher, paßt aber nicht zu dem mir geläufigen ortsüblichen Dialekt, wie er dort noch vor 50 Jahren gesprochen wurde, da hieß es Heiner. Alledings liegt die "Henner-Zeit" gut 200 Jahre zurück.
-Der Pfarrer kam von auswärts und hat erst einmal seine ihm geläufige Namensform verwendet, das ist dann zunächst beibehalten worden, weil es der Pfarrer ja "besser wissen mußte".
Beim Nachnamen geht es dafür Kraut und Rüben durcheinander: Endung -d, -dt, -de, -dte ohne jede Systematik.
Meines Erachtens spielt da auch der Zufall - sprich die unkontrollierte "Kreativität" der Pfarrer - eine große Rolle. Daß die dort seinerzeit ansässigen Ackerbürger (der Ort hatte bei weniger als 500 Einwohnern seit dem 14. Jahrhundert Stadtrechte) ordentlich lesen und schreiben konnten und von sich aus eine "schönere" Schreibweise verlangten, halte ich für eher unwahrscheinlich.

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 Betreff des Beitrags: Re: Nachnamen mit der Endung "i"
BeitragVerfasst: 14.08.2011, 23:35 
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Beiträge: 382
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Ich habe auch gerade ein Ortsfamilienbuch in der Mache, wo sich innerhalb von 1500 - 1900 ein Nachname von Mönche zu Mann verändert hat.
Die Pfarrer schreiben auf, wie sies hören, hier in Hessen gibt es dann noch die Plattschwätzer und schon ist es passiert.
Henrich habe ich auch und dann heißen alle Männer Johann Jacob und alle Frauen Anna Elisabeth. Es ist zum Mäusemelken.

Nofret

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 Betreff des Beitrags: Re: wie alles Sprachgut dem Wandel unterworfen
BeitragVerfasst: 15.08.2011, 20:58 
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Beiträge: 891
Wohnort: an der Spree
Hi, Magistri,

da erzählst Du mir nichts neues ... meine Behrendts hießen über die Jahrhunderte hinweg "Berent", "Berendt", Berend, Behrend, die Gierschs "Gerz", "Gierschewski/ska", die Schweminskis "Schwemin", "Szweminskie", die Haases "Haase", "Haß", die Thiedes "Tiede", die Musolfs "Musolff", "Muzolf", "Muzlof" usw.

Ein Aspekt ist sicher auch, dass es wirklich nur nach Hören-Sagen ging, da die meisten unserer Vorfahren noch Analphabeten waren und somit gar nicht "wussten" wie sie sich "schrieben" und die Pfarrer dann vor dem Hintergrund ihres eigenen Namenserfahrungsschatzes quasi im Stille-Post-Verfahren das Gehörte subjektiv interpretierten und entsprechend aufschrieben. Das Subjektive Ergebnis einer Wahrnehmung setzt sich zu großen Teilen aus Vorwissen, Erfahrung - somit quasi Vor-Urteilen - zusammenen und vergleichsweise nur zu einem sehr geringen Anteil aus der Wahrnehmung des tatsächlichen physikalischen Reizes; alles andere würde in kritischen Momenten viel zu viel Zeit für die Reizverarbeitung brauchen. - Wenn z. B. jemand einen unbekannten Namen hört, der einem bekannten ähnlich ist, "versteht" er unwillkürlich den bekannten Namen. - Nicht auszudenken, was passierte, wenn gar ein Pfarrer schwerhörig war -. Das wäre auch eine interessante wissenschaftliche Untersuchung, bei welchen Pfarrern die Namen generell einer starken Wandlung unterlagen und in wiefern mit den Pfarrern auch die Schreibweise der Namen wechselte ... :->

Viele Grüße

* felizitas *

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 Betreff des Beitrags: Re: Nachnamen mit der Endung "i"
BeitragVerfasst: 16.08.2011, 05:34 
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Beiträge: 1153
Wohnort: Hamburch
Zum Thema Sprache und Alphabetisierung habe ich zur Ergänzung noch etwas für die Lesekundigen von heute:

1. Die Wänt strookede dät Wucht uum ju Keeuwe un capede hier ap de Sooken. Saterfriesisch, das ist Amtssprache in Niedersachsen :wink:
Wenn ein Saterfriese aus Scharrel das dem kath. Pfarrer - gebürtig aus Münster oder München - oder Euch erzählt, was dann wohl auf dem Papier steht ???

2. Di dreng aide dåt foomen am dåt kån än mäket har aw da siike. Nordfriesisch
3. De Jung straaktde dat Wicht um't Kinn to un tuutjeede hör up de Wangen. Ostfriesisch
4. De jongen streelde het meisje over haar kin un kuste haar wangen. Niederländisch
5. The boy caressed the girl round the chin and kissed her on the cheeks. Englisch

Habt Ihr etwas verstanden? Hier noch die hochdeutsche Papier-Version nach Konrad-Duden-Norm:
6. Der Junge streichelte dem Mädchen ums Kinn und küsste es auf die Lippen.

Alles klar?

Ich denke, so unterschiedlich wie der Sprachgebrauch war und ist, so annähernd ähnlich und vielfältig, haben Pfarrer damals Sprache aufgeschrieben.


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 Betreff des Beitrags: Re: Nachnamen mit der Endung "i"
BeitragVerfasst: 16.08.2011, 20:27 
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Registriert: 01.11.2008, 19:52
Beiträge: 2133
Wohnort: Freigericht
In de Palz geht de Parrer mit de Peif in de Kerch...
In Südhessen, z.B. in Frankfort geht de Farrer midde Feif in die Kersch...(mit de Feif dut mer raache)
In Nordhessen ist das "de Panner", und das Pfarrhaus heißt Pannersch, do rööche se.

usw. usw. und wehe ein Parrer, Farrer oder Panner wurde versetzt - wehe dem nächstfolgenden Kirchenbucheintrag :!:

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 Betreff des Beitrags: Re: Nachnamen mit der Endung "i"
BeitragVerfasst: 16.08.2011, 23:47 
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Beiträge: 382
Wohnort: Marburg
ahh Pharao wir verstehen uns den Pänner oder pännersch kenne ich auch.

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 Betreff des Beitrags: Re: Nachnamen mit der Endung "i"
BeitragVerfasst: 17.08.2011, 09:06 
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Beiträge: 1153
Wohnort: Hamburch
Sind doch schön, diese Dialektfärbungen. Noch schöner ist, daß sich noch kein Herr Duden ihrer bemächtigt hat. Sprache lebt eben. :lol:


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 Betreff des Beitrags: Re: Nachnamen mit der Endung "i"
BeitragVerfasst: 21.08.2011, 23:36 
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Registriert: 09.02.2010, 19:28
Beiträge: 33
Wohnort: Fellbach-Schmiden
Zu den Veränderungen des Namens kann ich auch ein Lied mitsingen:
Mein Mann heißt mit Nachnamen Drodofsky. Dieser Name ist eine Kreation eines Pfarrers, denn nachweislich hieß die Familie bis 1706 Rudolphsky und wurde dann plötzlich von einem Taufeintrag zum nächsten zu Drodophsky geändert. Und für Drodofsky gab es dann bis heute so viele Schreibvarianten (Drodofsky mit T am Anfang, mit t in der Mitte, statt f mit ph oder mit v oder mit w, statt y am Ende mit i), dass ich mir alle möglichen Namen auf einen großen Zettel geschrieben habe und die dann immer abhake, wenn ich verschiedene Datenbanken nach den Namen durchsuche. Sehr zeitraubende Suche.

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